{"id":1023,"date":"2017-09-14T10:00:47","date_gmt":"2017-09-14T08:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/bosablog.pralle-sonne.de\/?p=1023"},"modified":"2020-06-09T17:22:19","modified_gmt":"2020-06-09T15:22:19","slug":"im-interview-juliet-kothe-direktorin-der-sammlung-boros-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosa-nova.com\/wirmachendiewelle\/2017\/09\/14\/im-interview-juliet-kothe-direktorin-der-sammlung-boros-berlin\/","title":{"rendered":"IM INTERVIEW: JULIET KOTHE, DIREKTORIN DER SAMMLUNG BOROS, BERLIN"},"content":{"rendered":"<p class=\"intro\"><em>In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. Diesmal: Juliet Kothe, Kulturwissenschaftlerin und Leiterin der <a href=\"https:\/\/www.sammlung-boros.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sammlung Boros<\/a>, der wohl wichtigsten privaten Sammlung zeitgen\u00f6ssischer Kunst in Berlin.<\/em><br \/>\n<span id=\"more-1960\"><\/span><\/p>\n<h1>BOSANOVA UND JULIET KOTHE \u2013 WIR MACHEN DIE WELLE \u2013 F\u00dcR KUNST &amp; KULTURF\u00d6RDERUNG<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Bianca, Juliet und Du, ihr habt gerade bez\u00fcglich <a href=\"https:\/\/wirmachendiewelle.com\/2017\/08\/berlin-berlin-hochkaraetiges-kunden-event-mit-social-program\/\">eines gro\u00dfen Events rund um den Boros-Bunker<\/a> zusammen gearbeitet. Wie habt ihr euch kennengelernt und wie kam es zur Zusammenarbeit?<\/p>\n<p><strong>Bianca:<\/strong>\u00a0Im Rahmen der Vorbereitung dieses Events habe ich f\u00fcr das Welcome Dinner der amerikanischen G\u00e4ste unseres Kunden eine Anfrage rausgeschickt, mit der ganz leisen Hoffnung, dass sich vielleicht jemand zur\u00fcckmeldet. Tats\u00e4chlich war es Juliet, die sich dann mit mir durch die Planung man\u00f6vriert hat und uns mit Rat und Tat und viel Enthusiasmus zur Seite gestanden hat. Unser pers\u00f6nliches Treffen ein paar Wochen sp\u00e4ter inkl. kleiner F\u00fchrung durch den <a href=\"https:\/\/www.sammlung-boros.de\/bunker-berlin.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Boros Bunker<\/a>war sehr beeindruckend. Vor einem steht eine Frau mit unglaublichem Kunstverstand und plaudert neben den wichtigen Infos zu diesem beeindruckenden Geb\u00e4ude und der Sammlung aus ihrer Vergangenheit und wie sie hier schon als Studentin, mit wenig Tageslicht aber mit viel Herzblut gearbeitet hat. Eine tolle Begegnung und daf\u00fcr nochmal ganz herzlichen Dank, liebe Juliet!<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Juliet, die Sammlung Boros gilt als eine der wohl sichtbarsten privaten Sammlungen zeitgen\u00f6ssischer Kunst in Deutschland. Noch dazu werden Ausschnitte der Sammlung an einem Ort gezeigt, an dem sich die j\u00fcngere Zeitgeschichte Berlins verdichtet. Wie kamst Du zur Aufgabe der Leitung und was bedeuten Dir Ort und Sammlung pers\u00f6nlich?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe: <\/strong>Die Sammlung existiert in der Form der \u00f6ffentlichen Zug\u00e4nglichkeit schon seit 2008, also fast 10 Jahre. Circa 2 Jahre nach der Er\u00f6ffnung fing ich neben meinem Studium an, als Kunstvermittlerin zu arbeiten. Ich kenne alle drei Pr\u00e4sentationen und habe die Entwicklung eines unglaublichen Wachstums verfolgt \u2013 gemessen an Besucherzahlen und Interesse an der Sammlung. Inzwischen besteht das Team aus fast 30 Vermittlern, die letzte Ausstellung haben \u00fcber 200.000 Leute besucht. Nach verschiedenen beruflichen Stationen im Bereich der Kunst und Kultur habe ich im Februar 2017 die Leitung der Sammlung \u00fcbernommen, eine R\u00fcckkehr und eine gro\u00dfartige Herausforderung. Christian und Karen schenken mir viel Vertrauen, wir arbeiten unkompliziert miteinander und ich kann mit einem wirklich fantastischen Team im R\u00fccken sehr eigenst\u00e4ndig arbeiten. Der Ort ist so speziell, er scheint mit seiner Vergangenheit als ziviler Luftschutzbunker, Gef\u00e4ngnis, Fr\u00fcchtelager, Club und schlie\u00dflich Pr\u00e4sentationsort einer Kunstsammlung wirklich jede Phase Berliner Stadtschichte abzubilden.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Kunstm\u00e4zen und Medienunternehmer Christian Boros lebt mit seiner Frau Karen Boros in einem Penthouse auf dem ehemaligen Reichsbahnbunker. Auch dort reiht sich Kunstwerk an Kunstwerk. Widmest Du dich allen Teilen der Sammlung oder nur den Werken, die der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe:<\/strong>\u00a0Die aktuell ausgestellten Arbeiten stehen nat\u00fcrlich im Fokus der Aufmerksamkeit, aber es existiert ein internationaler Leihverkehr aller Werke der Sammlung. Wir stehen stetig mit Ausstellungsh\u00e4usern in der ganzen Welt in Kontakt. Gerade bereiten wir eine Leihgabe f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.guggenheim.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Guggenheim New York<\/a> f\u00fcr eine Danh Vo Ausstellung vor. Mit der Schaffung einer \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Privatsammlung ging es Karen und Christian ganz bewusst darum, Menschen an ihrer zeitgen\u00f6ssischen Kunst teilhabenzulassen. Wenn man Christian \u00fcber seine Kunst reden h\u00f6rt, dann sp\u00fcrt man sofort, dass es ihm die gr\u00f6\u00dfte Freude ist, das, was er so sch\u00e4tzt mit anderen zu teilen. Das gilt f\u00fcr alle Werke, nicht nur die ausgestellten.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Leiterin in der Sammlung Boros aus und was fasziniert dich daran besonders?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe:<\/strong> Jeder Tag ist anders \u2013 das ist toll und wahnsinnig stimulierend. Ich stehe in Kontakt mit sehr vielen unterschiedlichen, Menschen: Galeristen, Kuratoren, unserem bunten Team aus K\u00fcnstlern, Studenten, Kreativen, aber auch Botschaftsvertretern oder mit euch. Heute war die First Lady aus Israel da \u2013 das ist schon ein Privileg, diese ganzen Menschen zu treffen und mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Oft muss man spontan reagieren \u2013 aber im Kern geht es ja darum zu teilen, was man selbst als zutiefst bereichernd empfindet: die Kunst und ihre Geschichten. Wenn der Funke \u00fcberspringt, dann habe ich meinen Job gut gemacht, das ist immer das Ziel.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Hast Du eine(n) Lieblingsk\u00fcnstler(in) in der aktuellen 3. Sammlungspr\u00e4sentation und verr\u00e4tst Du ihn\/sie uns?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe: <\/strong>Mich ber\u00fchren die Arbeiten von Paulo Nazareth. Der brasilianische K\u00fcnstler geht \u00fcber Monate in Afrika oder S\u00fcdamerika auf Wanderschaft und arbeitet mit der lokalen Bev\u00f6lkerung zusammen. Er ist quasi besitzlos, das was in das Kunstfeld hineinger\u00e4t sind \u00dcberbleibsel seiner Reisen: ein Hemd, das er getragen oder eine Tasche, in der er seine wenigen Habseligkeiten verstaut hat. Mit seinen Videos und Performances thematisiert er die Brutalit\u00e4t von Machtaus\u00fcbung und Herrschaft: den Befehl zum Genozid an den Hereros durch in den ehemaligen Kolonialgebieten Deutsch-S\u00fcdwestafrikas oder die Rituale zur Entmenschlichung afrikanischer Sklaven.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Juliet, Du bist Kulturwissenschaftlerin, hast zuletzt f\u00fcr den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V gearbeitet, bist Gr\u00fcndungsmitglied eines Frauennetzwerkes in der Kunst und gleichzeitig f\u00fcr One Fine Day e.V. ehrenamtlich engagiert. Wie schaffst Du das alles und was treibt Dich dabei besonders an?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe:<\/strong>\u00a0Ich bin so unendlich dankbar f\u00fcr alle M\u00f6glichkeiten der Teilhabe. Und ich glaube zutiefst an das, was Kunst vermitteln und geben kann \u2013 ein universelles Prinzip, das f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte aus der Wirtschaft ebenso gilt, wie f\u00fcr Kinder aus den Slums von Nairobi oder unseren G\u00e4sten der Sammlung Boros. Daraus ziehe ich wahnsinnig viel Kraft. Alles was ist tue, empfinde ich als Privileg und Chance mich weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Du engagierst Dich beim Projekt ONE FINE DAY. Was genau ist das und wie sieht dabei Dein Engagement aus?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.onefineday.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">One Fine Day<\/a>, ein Verein der vor 10 Jahren von Marie Steinmann und Tom Tykwer gegr\u00fcndet wurde, f\u00f6rdert ungef\u00e4hr 1.000 Kinder in den Slums Kibera und Mathare in Nairobi. W\u00f6chentlich werden sie in verschiedensten kreativen Disziplinen durch kenianische Lehrer unterrichtet. Ich reise zwei mal im Jahr mit zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlern nach Nairobi, um mit den Kindern in den Ferien zu arbeiten. Die <a href=\"https:\/\/www.onefineday.org\/one-fine-day-team\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Idee<\/a> ist, dass sie unterschiedlichste Techniken und Produktionsweisen vermittelt bekommen \u2013 angepasst an ihr Lebensumfeld. Kunst kann einen inneren Raum \u00f6ffnen, der vor allem f\u00fcr Kinder wichtig ist, die unter schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen. Man muss wissen, Kunst ist seit den 1990er Jahren vom kenianischen Lehrplan gestrichen.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Mal angenommen, jemand w\u00fcrde Dir einen Wunsch erf\u00fcllen bei dem Geld, Zeit und aktuelle Lebenssituation keine Rolle spielen \u2013 welcher Wunsch w\u00e4re das und wieso gerade dieser?<\/p>\n<p><strong>Juliet Kothe:<\/strong> Ich bin wirklich recht gl\u00fccklich mit allem und mir fehlt es an nichts, was mir wichtig ist. Nur ein paar Stunden mehr k\u00f6nnte der Tag haben.<\/p>\n<p><strong>BOSANOVA-Redaktion:<\/strong> Vielen Dank f\u00fcr das Interview, Juliet und weiterhin ganz viel Erfolg bei all Deinen Aufgaben und Herausforderungen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesezeit: <\/span> <span class=\"rt-time\">4<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span> In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. 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